Gerechtigkeit, Frieden und Schöpfung
Die Reaktion der Kirchen auf den Rassismus

Ökumenische Rassismus-Studie / UN-Weltkonferenz gegen Rassismus (WCAR) 2001 / Frauen als Opfer des Rassismus / Beiträge indigener Völker / Dalit-Solidaritätsprogramm

Die Frage des Rassismus steht seit mindestens siebzig Jahren auf der Tagesordnung der ökumenischen Bewegung. 1968 richtete der Zentralausschuss des ÖRK ein Programm zur Bekämpfung des Rassismus (PCR) ein; die Achte Vollversammlung des ÖRK in Harare feierte 1998 den 30. Jahrestag der Gründung des PCR.

Zwar hat das Programm seine Antirassismusarbeit seit 1968 sehr stark ausgebaut, doch ist und bleibt Rassismus eine Realität, die Gemeinschaften und sogar Familien spaltet. 1995 hob der Zentralausschuss hervor, dass "der institutionalisierte Rassismus und die Ideologie des Rassismus in ihren schlimmsten Formen in den heutigen Gesellschaften genauso präsent (sind) wie vorher und (dass) auch die Kirchen nach wie vor in höchstem Maße davon betroffen (sind), während die vorherrschenden gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen neue Ausdrucksformen von Rassismus hervorrufen".

Der ÖRK will mit seiner Antirassismusarbeit die Kirchen motivieren und unterstützen, Rassismus in ihren eigenen Reihen zu erkennen, zu verstehen und zu überwinden und dies als zentralen Bestandteil ihres Lebens anzusehen und nicht als eine Angelegenheit von marginaler Bedeutung, die an mehr oder weniger selbständig arbeitende Programme und Ausschüsse verwiesen werden kann.



Während der ÖRK-Vollversammlung in Harare/Simbabwe dankte der damalige Präsident Südafrikas, Nelson Mandela, dem ÖRK für die Unterstützung seines Landes im Kampf gegen die Apartheid..
Ökumenische Studie über Rassismus
Um die alten und die neuen Ausdrucksformen von Rassismus in Gesellschaft und Kirche besser verstehen und bekämpfen zu können, müssen neue Studien durchgeführt werden. Es ist notwendig, Theologien, die zu Unterdrückung und Rassismus führen, zu entlarven und die Wechselbeziehungen und Unterschiede zwischen Rassismus, Sexismus, Kastendenken, Ethnozentrismus und anderen “Ismen” herauszuarbeiten.

Mit der 1992 begonnenen Ökumenische Studie über Rassismus sollte versucht werden, die gegenwärtigen globalen und regionalen Tendenzen des Rassismus zu analysieren und die Schwerpunkte und Strategien in der Antirassismusarbeit neu zu definieren. Gleichzeitig war sie der Beitrag des ÖRK zur Vorbereitung und Teilnahme an der UN-Weltkonferenz gegen Rassismus (WCR) im Jahr 2001. Die Studienergebnisse wurden dem ÖRK-Zentralausschuss auf seiner Tagung im September 2002 vorgelegt.

Siehe den ökumenischen Studienbericht: Kirchesein und die Überwindung von Rassismus: Es ist Zeit für transformative Gerechtigkeit

„Wir dürfen es nicht zulassen, dass die Ausdrucksformen des unverändert fortbestehenden Rassismus unter den Teppich gekehrt werden. Wir müssen den immer neuen Gesichtern des Rassismus gegenüber wachsam sein, egal ob wir uns damit beliebt machen oder nicht. Wir müssen in allen Gesetzen, Erklärungen, Verfassungsurkunden usw. anstößige Formulierungen aufdecken (...). Wir müssen von der Regierung Programme fordern, die unser Land vom Rassismus befreien, andernfalls wird er verdeckt weiterbestehen...“

aus: “Understanding Racism Today: a Dossier (Rassismus heute verstehen: ein Dossier)

Kirchen in Europa überwinden rassistische Gewalt

In dem Bemühen, sichtbar zu machen, was Kirchen in konkreten Fällen gegen rassistisch motivierte Gewalt unternehmen, hat der ÖRK untersucht, was Kirchen im Vereinigten Königreich, in Deutschland, Österreich und Frankreich getan haben, um rassistische Gewalt in ihrem Umfeld zu überwinden. Ziel war es, solche Aktionen zu stärken, die Vernetzung der Beteiligten zu erleichtern und damit einen Beitrag zur Dekade zur Überwindung von Gewalt (2001-2010) zu leisten wie auch zur UN-Weltkonferenz gegen Rassismus, Rassendiskriminierung, Fremdenfeindlichkeit und damit zusammenhängende Intoleranz. Auf einer Konsultation im April 2003 soll entschieden werden, in welchem Umfang dieser Fallstudien-Ansatz auf Situationen rassistischer Gewalt in anderen Teilen der Welt ausgedehnt werden kann.

Siehe:
Kirchen in Europa: Initiativen zur Überwindung von Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und rassistischer Gewalt.
Dosser 1: Deutschland und Österreich

Dossier 2: Vereinigtes Königreich und Frankreich
 


UN-Weltkonferenz gegen Rassismus, Rassendiskriminierung, Fremdenfeindlichkeit und damit zusammenhängende Intoleranz (WCAR), 2001

Sein Zeugnis und Handeln gegen die Sünde des Rassismus und für Gerechtigkeit und Leben für die Opfer/Überlebenden veranlassten den ÖRK, Kirchen, kirchennahen Antirassismusprogrammen und regionalen ökumenischen Organisationen die Teilnahme an der UN-Weltkonferenz gegen Rassismus, Rassendiskriminierung, Fremdenfeindlichkeit und damit zusammenhängende Intoleranz zu ermöglichen, die vom 31. August – 7. September 2001 in Durban, Südafrika, stattfand.

Im Vorfeld der Konferenz veranstaltete der ÖRK in Zusammenarbeit mit regionalen ökumenischen Organisationen Vorbereitungstagungen und nahm an den UN- Vorbereitungstagungen sowie an Expertentreffen und regionalen Konferenzen der UNO teil. Auf der Konferenz in Durban organisierte die 35-köpfige ökumenische Delegation im Rahmen des NRO-Forums Workshops und Hearings, während eine kleine Gruppe von neun Personen an der eigentlichen Weltkonferenz teilnahm.

Besonders wichtig war, dass es der ökumenischen Familie in Durban gelungen ist, einen Ökumenischen Ausschuss (Caucus) zu bilden, um gemeinsame Anliegen zu erörtern und Advocacy-Arbeit dafür zu planen. Der Ausschuss gab während der internationalen Konferenz eine Erklärung heraus, in der es heißt: „Rassismus ist Sünde und läuft Gottes Willen nach Liebe, Frieden, Gleichberechtigung, Gerechtigkeit und Mitmenschlichkeit für alle zuwider. Rassismus nimmt den Menschen ihre Menschlichkeit, macht sie ohnmächtig, grenzt sie aus und stößt sie in die Armut.“ Abschließend heißt es, dass „die Zeit da ist, um Rassismus zu entmachten und auszumerzen“.

Unter Mithilfe des Südafrikanischen Rates der Kirchen (SACC) und des Mitarbeiterstabs des ÖRK veranstaltete der Ökumenische Ausschuss eine gut besuchte Pressekonferenz mit Erzbischof Desmond Tutu als Gastredner. Da die Pressekonferenz zu einem entscheidenden Zeitpunkt im Verlauf der Weltkonferenz stattfand, wurde die Stimme der Kirchen deutlich gehört.

Das NRO-Forum während der Weltkonferenz war vielleicht das größte zivilgesellschaftliche Zusammentreffen zum Thema Rassismus, das es je gegeben hat; in jedem Fall war es das repräsentativste im Blick auf die Opfer von Rassismus und Rassendiskriminierung. Das Forum-Dokument bringt die Erwartungen und Empfehlungen einer großen Zahl von marginalisierten Gemeinschaften zum Ausdruck. Mitglieder der ÖRK-Delegation stimmten über das Dokument des NRO-Forums als Teil des Ökumenischen und der anderen Ausschüsse ab, nicht strikt als Vertreter und Vertreterinnen des ÖRK.

In Übereinstimmung mit der ÖRK-Linie unterstützte die ökumenische Delegation des Rates die Rechte von Afrikanern und Afrikanerinnen sowie von Menschen afrikanischer Herkunft, von indigenen Völkern, Dalits, Roma und Sinti, Migranten, Frauen und Jugendlichen. Sie bekräftigte das Recht auf Selbstbestimmung der Palästinenser sowie deren Recht auf Rückkehr und auf einen palästinensischen Staat wie auch die Existenzberechtigung des Staates Israel; ferner verurteilte die Delegation jeglichen Anti-Semitismus.

Siehe: Making a fresh start: the urgency of combatting racism: WCC Report on its participation in the UN World Conference against Racism



Große Demonstration zu Beginn der Weltkonferenz in Durban


Dalit-Trommler bei einem Protestmarsch gegen die Weigerung der indischen Regierung, „Kaste“ mit Diskriminierung gleichzusetzen


Vertreterinnen indigener Völker


Proteste gegen die israelische Besatzungspolitik in den palästinensischen Gebieten


Nach einem ökumenischen Gottesdienst unter Teilnahme südafrikanischer Kirchenführer marschierte die große Gemeinde zum Durbaner Rathaus, wo ein kurzer Gottesdienst der Verpflichtung zur Bekämpfung des Rassismus abgehalten wurde

Siehe auch ökumenische Erklärungen und Pressemitteilungen über die Weltkonferenz (WCAR)

Frauen als Opfer des Rassismus

Schwarze Frauen, Ureinwohnerinnen, Dalitfrauen, Frauen, die ethnischen Minderheiten angehören – sie alle leiden unter Rassismus, Sexismus, Kastendenken, Ausgrenzung und Marginalisierung. Das Programm “Frauen als Opfer des Rassismus” (Women under Racism – WUR) will die Mitwirkung von Frauen in der ökumenischen Bewegung fördern und ihre Probleme in Zusammenhang mit ihrer Geschlechts-, Rassen- und Klassenzugehörigkeit bringen. So wurden auf einem Workshop 1999 in Lateinamerika Bibelstudien und theologische Reflexionen aus der Perspektive rassistisch unterdrückter Frauen zur Verwendung in Gemeinden und kirchlichen Frauengruppen erarbeitet, die mittlerweile veröffentlicht worden sind. Ferner wurde ein Kursprogramm zum Thema Bibel, Geschlechts-, Rassen- und Kastenzugehörigkeit für schwarze Frauen und Ureinwohnerinnen in Lateinamerika konzipiert. 2001 fand in Costa Rica und in Guatemala je ein Workshop statt.

Das Programm bietet eine Plattform für Zusammenarbeit und Solidarität unter Frauen und will auch ein Instrument zur Selbsthilfe sein. Ein Workshop, der im September 2000 in Taiwan zum Thema “Frauen in Asien als Opfer des Rassismus”, stattgefunden hatte, gab asiatischen Ureinwohnerinnen und Frauen aus Minderheitsgruppen Gelegenheit, zu einem Erfahrungsaustausch zusammenzukommen, ihr jeweiliges Selbstverständnis zu würdigen und zu bekräftigen, die unterschiedlichen Ausdrucksformen von Rassismus in ihrer Region zu analysieren und Strategien für zukünftige Aktionen zu entwickeln..

Ein unmittelbares Ergebnis dieser Arbeit war eine gemeinsam vom Nationalen Kirchenrat auf den Philippinen, der Asiatischen Christlichen Konferenz (CCA) und dem ÖRK geführte Kampagne mit dem Titel „Frauen aus Asien und dem pazifischen Raum überwinden Rassismus und Intoleranz“, die 2001 eröffnet wurde. Broschüren (siehe nebenstehend) und Poster wurden an CCA-Mitgliedskirchen und Partner sowie an religiöse Ausbilder und Ausbilderinnen in Asien verteilt. Die Kampagne soll das Bewusstsein für die verschiedenen Formen des Rassismus in Asien und für die Möglichkeiten der Antirassismusarbeit der Kirchen schärfen.



Eines der Ergebnisse eines WUR-Workshops von 1999: Bibelarbeiten und theologische Reflexionen aus der Perspektive rassischer und geschlechtlicher Zugehörigkeit für den Gebrauch in Gemeinden und kirchlichen Frauengruppen in Lateinamerika.


Poster der Kampagne „Frauen aus Asien und dem pazifischen Raum überwinden Rassismus und Intoleranz“ (2001). Der Generalsekretär der Asiatischen Christlichen Konferenz, Jae-Woong Ahn erklärt dazu: „Zwar sind vom Rassismus Männer, Frauen und Kinder, deren rassische oder ethnische Zugehörigkeit, Nationalität, Herkunft oder Religion als minderwertig angesehen wird, gleichermaßen betroffen, doch wird diese Kampagne gezielt von Frauen geführt, um Frauen von der dreifachen Diskriminierung zu befreien, der sie aufgrund ihres Geschlechts, ihrer Gesellschaftsklasse und ihrer rassischen Zugehörigkeit ausgesetzt sind.“
Beiträge der Urvölker

Die Urvölker leben in einer sich schnell verändernden Welt. Als Kleinbauern, ungelernte Arbeiter oder Jäger stehen sie bei ihrer Umsiedlung in die Städte plötzlich vor großen Identitätsproblemen. Ihre Vorfahren wussten genau, wie man in einer neuen und feindlichen Umwelt überlebt. Heute müssen die Urvölker ihre Kulturen weiterentwickeln. Einige der gegenwärtigen kulturellen Werte würden von den Vorfahren vermutlich nicht anerkannt werden, aber sie sind Teil der heutigen Lebensstrukturen der Ureinwohner.

Das Leben der Ureinwohner als Völker und Gemeinschaften, ihre Spiritualität und ihre Souveränität sind permanenten Bedrohungen durch die Globalisierung ausgesetzt, die sich auf vielerlei Weise äußert: in Bergbauprojekten, fehlendem Naturschutz, der Abholzung von Wäldern, dem Bau von Staudämmen für den Betrieb von Wasserkraftwerken, Militarisierung, Tourismus und Agrobusiness. Dem Bewusstsein ihrer Beziehung zu Mutter Erde und der Heiligkeit ihres Landes steht allerdings der Mangel an Kontrolle über die Naturvorkommen gegenüber. Dies führt zu Spaltungen innerhalb der Urvölker und unter ihnen und ruft Individualismus und Armut hervor.

Für die Urvölker ist es lebenswichtig, dass sie als Nationen oder Völker und nicht nur als ethnische Grupen angesehen werden. Ihr Kampf um Selbstbestimmung schließt das Recht ein, Entscheidungsgewalt über ihre Gebiete, ihre Bildungssysteme, ihre sozialen Angelegenheiten, ihr Gesundheitswesen, ihre Religion und ihr kulturelles Leben zu haben. Innerhalb von Nationalstaaten kämpfen die Gemeinschaften und Organisationen der Ureinwohner für ein multikulturelles Leben, das Assimilisation und Anpassung ablehnt. Die Urvölker fordern nach wie vor die Anerkennung ihrer alten Eigentumsrechte an dem Land ihrer Vorfahren. Ihr Recht auf Land muss politische Macht in Form von Selbstbestimmung und -verwaltung und wirtschaftliche Macht in Form von Verfügungsgewalt über ihr Land einschließen.

Das ÖRK-Programm für Urvölker (IPP) macht sich zum Anwalt der Urvölker, um sicherzustellen, dass ihr kulturelles Erbe geachtet wird und dass ihr Ringen um Anerkennung und ihr Engagement in Kirche und Gesellschaft voll gewürdigt werden. Eine IPP-Referenzgruppe beobachtet und evaluiert die laufenden Aktivitäten und legt dem JPC-Team Empfehlungen vor.

 

 

 

Das IPP:
i. i. fördert die Teilnahme der Urvölker an verschiedenen UN-Foren:
Dank der Anstrengungen von Vertretern/innen der Urvölker hat die UNO ein stärkeres Bewusstsein für deren Anliegen entwickelt. Drei internationale Tagungen über die Belange der Urvölker finden jährlich unter Leitung der UNO statt: die UN-Arbeitsgruppe über autochthone Bevölkerungsgruppen, die Arbeitsgruppe zum Entwurf einer Erklärung zu den Rechten der Urvölker und eine Ad-hoc-Arbeitsgruppe für die Einrichtung eines Ständigen Forums für Urvölker. Der ÖRK organisiert Vorbereitungstagungen und finanziert die anfallenden Reisekosten für ca. zwanzig Ureinwohner/innen. Er fördert auch die Teilnahme von Delegierten der Urvölker an den Tagungen der UN-Kommission für Umwelt und Entwicklung, der Kommission für nachhaltige Entwicklung und der Weltorganisation für geistiges Eigentum.

ii. ii. leistet den Urvölkern Hilfe zur Selbsthilfe
In Lateinamerika, Europa, Asien, Afrika und dem pazifischen Raum geben führende Vertreter/innen der Urvölker, die in Fragen der Selbstbestimmung, der Landrechte und des geistigen Eigentums über einschlägige Kenntnisse verfügen, ihr Wissen im Rahmen von Workshops und Seminaren an andere weiter.

Um die Vision von der Erde als Heimat zu stärken, veranstaltet das ÖRK-Programm für Urvölker eine Reihe von regionalen Treffen, an denen Vertreter/innen von Kirchen und Organisationen der Urvölker teilnehmen. Die Warnungen der Ureinwohner vor der Gefährdung der Natur und ihre Erfahrungen im sorgsamen Umgang mit Mutter Erde werden festgehalten, und die so gesammelten Geschichten dienen als Grundlage für die weitere Reflexion und Aufklärung. Einige dieser Geschichten sind bereits im JPC-Magazin ECHOES veröffentlicht worden.

Zur Bekräftigung einer Spiritualität, die auf die Stimme der Erde und der Kinder dieser Erde hört, setzt sich das IPP ferner für einen Dialog über Spiritualität zwischen den spirituellen Führern der Urvölker und leitenden Repräsentanten/innen der großen Kirchen ein. Ein erstes regionales Treffen wird im Oktober 2000 in Asien stattfinden.


Dalit-Solidaritätsprogramm

In Indien bringt Dalit Solidarity Peoples (DSP) Dalits verschiedener Glaubensrichtungen - Sikhs, Muslime, Christen, Buddhisten und Hindus - zusammen, mit dem Ziel, ihre Emanzipation herbeizuführen. In Anbetracht der jahrhundertelangen Geschichte des Misstrauens und sogar der Feindschaft ist es nicht einfach, Solidarität und Zusammenarbeit unter diesen verschiedenen Religionsgemeinschaften aufzubauen. DSP hat es jedoch geschafft, sich von einer programmatischen Organisation zu einer Volksbewegung zu entwickeln - eine große Leistung in der derzeitigen politischen Situation in Indien, die von dem zunehmendem Nationalismus der Hindus geprägt ist und in der die christlichen und muslimischen Dalit-Gemeinschaften besonders gefährdet sind.

Die DSP verfolgt im Einklang mit ihrer Verfassung folgende Ziele und Arbeitsschwerpunkte:

  • die Solidarität unter allen Dalits im ganzen Land, ungeachtet ihrer Religions- und Kastenzugehörigkeit, zu stärken;
  • ihr Bewusstsein für die aus Unwissenheit und Aberglauben entstandenen inneren Widersprüche in ihrer Gesellschaft zu schärfen, wie Kastendenken, gegenseitige Unberührbarkeit, Bräuche und Riten;
  • Ausbildung im formellen und informellen Bereich zu fördern, wobei ganz besonders Kompetenzen im Umgang mit Situationen vermittelt werden sollen, die auf das Entstehen neuer Machtzentren und eines neuen Wirtschaftssystems zurückzuführen sind;
  • die Probleme von Dalit-Frauen zu untersuchen und sich für ihre Befreiung, Entfaltung und Emanzipation einzusetzen, damit sie auf allen Ebenen wichtige Aufgaben übernehmen können;
  • jugendliche Dalits zu organisieren und alle in der Verfassung wie auch außerhalb staatlicher Kontrolle existierenden Möglichkeiten zu nutzen; Gelegenheiten zu schaffen, wo Menschen zusammenkommen und ihre Probleme diskutieren oder an Festen und gesellschaftlichen Veranstaltungen teilnehmen können;
  • die Adivasis und Stammesvölker in ihrer Entwicklung zu unterstützen und mit ihnen zusammenzuarbeiten;
  • die konstruktiven Elemente in der Kultur der Dalits zu fördern, damit sie zu einer gemeinsamen Identität und Lebenseinstellung finden können;

Jahrestagung der Dalit Solidarity Peoples (DSP), Juni 1999.

Schule in einem Dalit-Dorf, Kanglvakan, südlich von Chennai/Madras


In Kagnlvakan stellen Gemeinwesenorganisatoren das Leid der Dalits in Form eines Dramas dar.

  • Aus- und Fortbildungszentren sowie einkommenschaffende Arbeitsmöglichkeiten für Dalits zu schaffen, damit sie wirtschaftliche Unabhängigkeit und Eigenständigkeit erlangen können;
  • Informationszentren einzurichten, um die Grausamkeiten zu dokumentieren, die an Dalits und Angehörigen von Stammesvölkern verübt worden sind;
  • Informationen und Programme mit Freunden und Partnern sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene auszutauschen;
  • Bücher, Zeitschriften, Zeitungen und anderes Informationsmaterial über und von Dalits und anderen zu veröffentlichen.

  Ziel des ÖRK-Solidaritätsprogramms ist es, den Kampf der Dalits in Indien zu unterstützen, ihnen bei ihrer Selbstorganisation und Entwicklung zu helfen und das Bewusstsein für ihre Anliegen bei ÖRK-Mitgliedskirchen, auf internationalen Foren, einschließlich der Vereinten Nationen, sowie in der weltweiten Öffentlichkeit zu stärken. Dabei wird es wichtig sein, bessere Kommunikationsmöglichkeiten zu entwickeln.


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